Bruckner Akademie Orchester in Unterschleißheim und Unterhaching
Dem jungen Ensemble unter Jordi Mora gelingt überwältigende Aufführung der schwierigen 5. Symphonie
So schlicht Ankündigung und Titel der Konzerte des Bruckner Akademie Orchesters in Unterschleißheim, im Kubiz Unterhaching und im Herkulessaal der Münchner Residenz auch waren – Abschlusskonzert der 14. Or-chesterakademie München 2006 – so großartig waren die Abende. Anton Bruckners Symphonie Nr. 5 in B-Dur stand auf dem Programm und damit letztlich Unfassbares.
Man betritt einen Dom, wird mit einer musikalischen Architektur erhabenster Größe konfrontiert, in der Bausteine – man möchte sie als „Quader“ bezeichnen – übereinander getürmt sind und die zuletzt mit einer gewaltigen Kuppel gekrönt ist. Für die Bruckner-Freunde ist das nichts Neues, für alle anderen ohnehin kaum nachvollziehbar. Seine Fünfte, die Bruckner selbst seine „Phantastische Symphonie“ nannte, zog zumindest in Unterschleißheim, wo sie den Abend füllte – im Kubiz Unterhaching und im Herkules-saal hat Elzabeth Sombart als Solistin vorher Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 488 gespielt – bei weitem nicht so viele Zuhörer an, wie es ein musikalisches Großereignis dieser Dimension verdient hätte. Jordi Mora hat mit seinem Orchester eine überwältigend große Aufführung erarbeitet.
Mora ist Celtbidache-Schüler, einer von vielen. Während die meisten anderen nur Celibidaches sehr gemäßigte Tempi der Spätzeit überneh-men, hat Mora auch die Geistigkeit und die enorme Spannkraft für Bruckners ungeheuer große Bögen. (Immer wieder drängt sich das Bild von mächtigen Gewölben auf.) Der Dirigent hat den großen Atem für diese Bögen, er hält die Spannung über die durch tiefe Pausen getrennten Klangblöcke, hat die komplizierte Kontrapunktik dieser Bruckner-Symphonie im Kopf – Mora dirigiert das Riesenwerk von fast 90 Minuten Dauer auswendig – und kann sie den Zuhörern durchschaubar machen. Sein jugendliches Orchester folgt ihm hochkonzentriert und musiziert mit der erforderlichen musikalischen und technischen Brillanz.
Was für eine unvergleichliche menschliche und künstlerische Erscheinung war Anton Bruckner, eine Persönlichkeit, die sehr selten ist in unserer Welt. Welche Visionen gingen durch seinen Kopf, in dem seine Zeitgenossen nur ein sehr schlichtes Gemüt sahen, wie brachte er sie zu Papier und wie brachte sie Jordi Mora mit seinem großen und grandiosen Bruckner Akademie Orchester zu Gehör.
Für aufnahmebereite Zuhörer war die Begegnung mit Bruckners „Fünfter“ in Jordi Moras Aufführung eine erschütternde Begegnung mit würdiger Erhabenheit, mit Majestät.
ADOLF KARL GOTTWALD
